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Die Dauerwelle – Technik, Geschichte und moderne Umformung

Nessler Geschäftliche Nachrichten

Anzeige für die Nestlé-Dauerwelle aus den 1920er Jahren.

Was heute selbstverständlich wirkt, war einst eine technische Revolution.

Die Dauerwelle ist eine der wichtigsten Entwicklungen in der Geschichte des Friseurhandwerks.Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Karl Ludwig Nessler entwickelt und veränderte die Haarumformung grundlegend.


Was heute selbstverständlich wirkt, war einst eine technische Revolution.
Die Dauerwelle ist nicht einfach eine Frisur – sie markiert den Moment, in dem sich das traditionelle Frisieren mit Technik, Chemie und industrieller Innovation verband.

 

Als der deutsche Coiffeur Karl Ludwig Nessler im Jahr 1909 in London seine erste elektrische Dauerwellenmaschine vorstellte, eröffnete sich dem Friseurberuf eine völlig neue Dimension der Haarumformung.

Als der deutsche Coiffeur Karl Ludwig Nessler im Jahr 1909 in London seine erste elektrische Dauerwellenmaschine vorstellte, eröffnete sich dem Friseurberuf eine völlig neue Dimension der Haarumformung.
 

Aus einer experimentellen Apparatur mit elektrisch beheizten Wickelstäben entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts eine weltweit etablierte Methode zur dauerhaften Veränderung der Haarstruktur.

Heute gehört die Dauerwelle zu den klassischen Umformtechniken im Coiffeurhandwerk – auch wenn sich Technik und Anwendung stark weiterentwickelt haben.
 

Diese Seite erklärt, was eine Dauerwelle ist, wie sie funktioniert und warum sie bis heute eine zentrale Rolle im Friseurhandwerk spielt.

Was ist eine Dauerwelle?

Aus fachlicher Sicht bezeichnet die Dauerwelle eine dauerhafte chemische Umformung der Haarstruktur.

Das menschliche Haar besteht überwiegend aus dem Faserprotein Keratin. Die Form des Haares wird durch verschiedene chemische Bindungen innerhalb dieser Struktur stabilisiert. Besonders entscheidend sind dabei die sogenannten Disulfidbrücken, also Schwefelbindungen zwischen Cysteinmolekülen im Keratin.
 

Bei einer Dauerwelle werden diese Bindungen gezielt beeinflusst.

Zunächst werden die Disulfidbindungen durch ein Reduktionsmittel teilweise gelöst. In diesem Zustand wird das Haar formbar und kann mechanisch in eine neue Struktur gebracht werden – beispielsweise durch das Aufwickeln auf Dauerwellwickler.
 

Anschließend erfolgt die Neutralisation oder Fixierung, bei der die zuvor geöffneten Bindungen wieder stabilisiert werden. Da sich das Haar während dieses Vorgangs in der neuen Form befindet, entstehen neue Disulfidbindungen entsprechend der gewünschten Struktur.
 

Das Ergebnis sind dauerhaft geformte Haarstrukturen wie Locken, Wellen oder Volumenstrukturen.
 

Der Vergleich zeigt deutlich, wie sich das Verständnis der Dauerwelle im Laufe der Zeit verändert hat. Während Coiffeure zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem mit elektrischen Apparaten, Wickeltechnik und Wärmeeinwirkung arbeiteten, basiert die moderne Dauerwelle heute auf einem präzisen Verständnis der Haarstruktur.

Im Mittelpunkt stehen dabei die chemischen Prozesse im Haar – insbesondere die gezielte Veränderung der Disulfidbindungen im Keratin. Diese ermöglichen es, die natürliche Form des Haares dauerhaft zu verändern.

Ablauf der frühen Dauerwelle 

Die frühen Verfahren der Dauerwelle waren aufwendig und erforderten präzises, schrittweises Arbeiten. Die Anwendung basierte auf einer Kombination aus mechanischer Technik, chemischer Behandlung und kontrollierter Wärmeeinwirkung.
 

Zunächst wurde das Haar in einzelne Strähnen unterteilt und möglichst nahe an der Kopfhaut fixiert. Jede Strähne wurde anschließend straff auf spezielle Wickler oder Nadeln gedreht, um die gewünschte Form vorzubereiten. Bereits in diesem Schritt entschied sich, wie gleichmäßig und stabil die spätere Welle ausfallen würde.
 

Im nächsten Schritt wurden die Strähnen mit einer speziellen Lösung behandelt, die die Haarstruktur vorübergehend veränderte und formbar machte.

Anschließend erfolgte die Erwärmung über elektrische Heizgeräte oder beheizte Röhren. Diese Phase war besonders kritisch, da Temperatur und Dauer exakt kontrolliert werden mussten, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, ohne das Haar zu beschädigen.

 

Während der gesamten Behandlung war das Verfahren zeitintensiv und erforderte große Sorgfalt.
Die Geräte waren schwer, die Handhabung komplex und die Behandlung für die Kundinnen oft ungewohnt.

 

Nach der Einwirkzeit wurden die Apparaturen entfernt, die Strähnen vorsichtig gelöst und das Haar gereinigt.

Erst in diesem Moment zeigte sich das Ergebnis der Behandlung: dauerhaft geformte Wellen, die je nach Technik und Ausführung unterschiedlich stark ausgeprägt sein konnten.
 

Diese Darstellung basiert auf zeitgenössischen Fachbeschreibungen und dient der vereinfachten Einordnung der damaligen Arbeitsweise.
 

Welche Arten von Dauerwellen gibt es?

Die moderne Dauerwelle ist heute deutlich differenzierter als in früheren Jahrzehnten. Je nach Haarstruktur und gewünschtem Ergebnis kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz.
 

Alkalische Dauerwelle

Diese klassische Methode arbeitet mit alkalischen Reduktionsmitteln, meist auf Basis von Ammoniumthioglykolat. Sie eignet sich besonders für kräftiges, widerstandsfähiges Haar und sorgt für intensive, langanhaltende Locken.
 

Saure Dauerwelle

Hier werden mildere Wirkstoffe mit niedrigerem pH-Wert verwendet. Diese Variante gilt als schonender und wird bevorzugt bei feinem oder strapaziertem Haar eingesetzt.
 

Digitale Dauerwelle

Diese moderne Technik kombiniert chemische Umformung mit kontrollierter Wärmezufuhr. Das Ergebnis sind weich fallende, natürlich wirkende Wellen.

Volumenwelle oder Soft Waves
 

Im Fokus steht hier weniger die klassische Locke als vielmehr Bewegung, Fülle und Ansatzvolumen – ideal für einen natürlichen Look.

Der Vergleich macht deutlich, wie stark sich die Dauerwelle in den letzten hundert Jahren weiterentwickelt hat.

Während frühe Coiffeure vor allem mit mechanischen und thermischen Methoden arbeiteten, basiert die moderne Dauerwelle auf einem fundierten Verständnis der chemischen Haarstruktur.

Trotz aller technischen Fortschritte bleibt die Grundidee unverändert:
die dauerhafte Veränderung der natürlichen Haarform.

Die von Nessler entwickelte Technik wurde in den folgenden Jahren durch andere Friseure weiterentwickelt.
Mehr zum Netzwerk und den beteiligten Akteuren

Forschungsbeiträge zur Geschichte der Dauerwelle

In diesen Beiträgen findest du vertiefende Einblicke in die Entwicklung, Technik und Geschichte der Dauerwelle.

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Digitales Archiv zur Geschichte der Dauerwelle

Diese Webseite ist Teil eines laufenden historischen Forschungsprojekts zur Geschichte der Dauerwelle und zum Leben von Karl Ludwig Nessler (1872–1951).

Im digitalen Archiv werden biografische Informationen, historische Dokumente, Patente und technische Entwicklungen rund um die Erfindung der Dauerwelle gesammelt und dokumentiert.

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