Nessler Dauerwelle
Patente von Karl Ludwig Nessler
Werbeanzeige für „Nestle-Wellen“ aus London. Sie dokumentiert eine frühe Vermarktung der Dauerwelle und verweist auf C. Nestle als Erfinder sowie den Standort in der Oxford Street.
Frühe Dauerwellenapparatur nach dem britischen Patent GB 20,597 von Karl Ludwig Nessler (1909).
Die Konstruktion zeigt eine weiterentwickelte Anwendung der Haarwelltechnik mit mechanischer Führung und verbesserter Anpassung an die Behandlung am Kopf.
Frühe Patentzeichnung von Karl Ludwig Nessler (1902) zur Herstellung künstlicher Wimpern und Augenbrauen.
Die Darstellung zeigt eine mechanische Vorrichtung zur Verarbeitung von Haar – ein früher technischer Ansatz, der als Grundlage für spätere Entwicklungen wie die Dauerwelle gilt.
US-Patent von C. Nessler (1923) zur Herstellung künstlicher Wimpern (US 1,450,259).
Die Zeichnung dokumentiert die technische Verarbeitung von Haar und zeigt eine Weiterentwicklung früherer Verfahren aus der Zeit vor der Dauerwelle.
Patentzeichnung der Nestlé-LeMur Company (Nr. 760.377) für ein elektrisches Haarbehandlungsgerät, entstanden im Umfeld der industriellen Weiterentwicklung unter Mitwirkung von Karl Ludwig Nessler.
Technische Grundlage der modernen Dauerwelle
Karl Ludwig Nessler war nicht nur Friseur, sondern technischer Entwickler mit internationalem Anspruch. Bereits vor der eigentlichen Entwicklung der Dauerwelle beschäftigte er sich mit der systematischen Verarbeitung von Haar, was sich in frühen Patenten ab 1902 zeigt.
Während seine Dauerwelle in London öffentlich bekannt wurde, sicherte er seine Verfahren parallel juristisch ab. Nach ersten erfolgreichen Demonstrationen um 1905/1906 begann ab 1909 die gezielte Patentierung und technische Verbreitung seiner Methode.
Zwischen 1909 und den 1930er-Jahren meldete Nessler zahlreiche Patente an. Diese Schutzrechte dokumentieren den Übergang von einer experimentellen Salonapparatur zu einem standardisierten, industriell nutzbaren Verfahren.
Die Patente bildeten die Grundlage seines Lizenzsystems und ermöglichten die internationale Verbreitung der Dauerwelle.
Die ersten Haarwellen-Patente
🇬🇧 GB 20,597 – 1909
Improvements in Apparatus for use in Waving Natural Hair on the Head
Frühes britisches Patent zur Verbesserung von Geräten zum Wellen von natürlichem Haar.
Die Konstruktion zeigt eine weiterentwickelte Dauerwellenapparatur mit Fokus auf Positionierung, Handhabung und Anpassung an die Anwendung am Kopf.
🇨🇭 CH 49814 – 1909
Gerät zum Wellen von Haaren
Erstes bekanntes Schweizer Patent zur elektrischen Haarumformung.
Beheizte Metallstäbe kombinierten mechanische Spannung mit kontrollierter Wärmezufuhr und ermöglichten eine dauerhafte Veränderung der Haarstruktur.
🇬🇧 GB 128340A – 1919
Improvements in or relating to Apparatus for use in Waving the Hair
Technische Weiterentwicklung des Apparates mit Fokus auf verbesserte Sicherheit, Effizienz und Anwendung im Friseurbetrieb.
🇺🇸 US 1,400,370 – 1921
Hair-Waving Apparatus
Amerikanisches Patent zur weiteren Standardisierung der Dauerwellenmaschine und ihrer Anwendung im Salonalltag.
Diese frühen Schutzrechte zeigen, dass die Dauerwelle nicht nur eine Dienstleistung war, sondern eine technisch definierte und rechtlich geschützte Innovation, die gezielt weiterentwickelt und international verbreitet wurde.
Technische Weiterentwicklungen (1923–1929)
🇺🇸 US 1,455,802 – 1923
Device for Waving Natural Hair
🇺🇸 US 1,481,109 – 1924
Hair-Waving Appliance and Method of Using the Same
🇺🇸 US 1,704,303 – 1929
Method Pertaining to Permanent Waving of Hair
Hier wird deutlich:
Nicht nur das Gerät selbst, sondern auch die Anwendungsmethode wurde weiterentwickelt und geschützt. Die Dauerwelle wurde zunehmend systematisiert.
Deutsche Patente
🇩🇪 DE320585C – 1920
Elektrisch erwärmbare Haarwellkapsel
🇩🇪 DE355327C – 1922
Haarweller
🇩🇪 DE378929C – 1923
Elektronisch erwärmbare Haarwellkapsel (verbesserte Ausführung)
Diese Patente dokumentieren die technische Weiterentwicklung im deutschsprachigen Raum nach dem Ersten Weltkrieg.
Sie verdeutlichen, dass die Entwicklung der Dauerwelle nicht auf einzelne Länder beschränkt war, sondern parallel in verschiedenen technischen und industriellen Kontexten vorangetrieben wurde.
Erweiterungen der Haartechnik
Künstliche Wimpern
Bereits vor der Entwicklung der Dauerwelle beschäftigte sich Karl Ludwig Nessler mit der technischenVerarbeitung von Haar.
Das folgende Patent aus dem Jahr 1902 stellt den frühesten bekannten Nachweis seiner Tätigkeit als Erfinder dar und markiert den Beginn seiner patentierten Arbeiten.
🇬🇧 Großbritannien – 1902
Patent Nr. 18,723
Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung künstlicher Augenbrauen und Wimpern
Dieses Patent gilt als das erste bekannte Schutzrecht von Karl Ludwig Nessler.
Es beschreibt ein Verfahren, bei dem einzelne Haare systematisch auf eine Trägerstruktur aufgebracht und mechanisch fixiert werden. Ziel war die Herstellung künstlicher Wimpern und Augenbrauen, die möglichst natürlich wirken und unauffällig angewendet werden können.Die Erfindung zeigt bereits zentrale Prinzipien, die auch in Nesslers späteren Entwicklungen eine Rolle spielen: die kontrollierte Verarbeitung von Haar, die Kombination von Mechanik und Material sowie der Anspruch, reproduzierbare Verfahren zu schaffen.
🇺🇸 Vereinigte Staaten – 1923
US 1,450,259
Artificial Eyelashes and Method of Making SameÜber zwanzig Jahre später griff Nessler das Thema erneut auf und entwickelte seine frühen Ansätze weiter. Das US-Patent von 1923 zeigt eine fortgeschrittene Ausarbeitung der Herstellung künstlicher Wimpern und belegt, dass dieses Gebiet über einen langen Zeitraum Teil seiner technischen Arbeit blieb.
Diese Patente stehen nicht in direktem Zusammenhang mit der Dauerwelle, verdeutlichen jedoch, dass Nesslers Arbeit als Erfinder bereits vor 1905 begann und auf einer grundlegenden Auseinandersetzung mit Haar als technischem Material beruhte.
Weitere Entwicklungen – Industriephase
In den späteren Jahren verlagerte sich die technische Entwicklung zunehmend in unternehmerische Strukturen. Ein Teil der Patente entstand im Umfeld der Nestlé-LeMur Company, an deren Entwicklung Karl Ludwig Nessler beteiligt war.
Patent Nr. 760.377
Elektrisches Gerät zur Haarbehandlung (ca. 1930er-Jahre)
Diese Patentzeichnung zeigt ein technisch komplexes, elektrisch betriebenes Instrument zur Behandlung von Haar. Im Gegensatz zu den früheren Patenten, die direkt auf Nessler als Einzelperson zurückgehen, steht dieses Schutzrecht im Zusammenhang mit der industriellen Weiterentwicklung innerhalb der Nestlé-LeMur Company.
Es dokumentiert den Übergang von der individuellen Erfindung hin zu einer systematisierten, unternehmerisch organisierten Produktion und Anwendung der Haartechnik.
Hair-Taxometer (Text-O-Meter)
🇺🇸 US 1,917,597 – 1933
Apparatus for Testing HairMit dem sogenannten „Hair-Taxometer“ entwickelte Karl Ludwig Nessler ein Gerät zur Messung und Bewertung von Haareigenschaften. Die Konstruktion ermöglichte es, einzelne Haarsträhnen unter kontrollierten Bedingungen zu prüfen und dabei Parameter wie Festigkeit, Elastizität oder Reaktion auf mechanische Einwirkung systematisch zu erfassen.
Im Unterschied zu den früheren Entwicklungen im Bereich der Dauerwelle steht hier nicht mehr die Formung des Haares im Mittelpunkt, sondern dessen Analyse. Ziel war es, Haar nicht nur zu behandeln, sondern messbar und vergleichbar zu machen – ein Ansatz, der auf eine Standardisierung von Verfahren und Ergebnissen innerhalb der Haar- und Schönheitspflege abzielte.
Das Gerät steht damit exemplarisch für die zunehmende Verwissenschaftlichung der Kosmetik in den 1920er- und 1930er-Jahren. Es zeigt, dass Nessler seine technische Arbeit über die reine Anwendung hinaus erweiterte und versuchte, eine objektive Grundlage für die Beurteilung von Haar zu schaffen.
In Verbindung mit Begriffen wie „Text-O-Meter“ deutet diese Entwicklung darauf hin, dass Messbarkeit und Standardisierung zunehmend als Grundlage moderner Haarbehandlung verstanden wurden.
Kerascop
🇺🇸 US 1,962,518 – 1934
Means for Ascertaining the Hair Production of a Subject
Das sogenannte Kerascop diente der Untersuchung von Haar und Kopfhaut im Rahmen der frühen Haaranalyse. Im Mittelpunkt stand die visuelle und mechanische Erfassung von Haareigenschaften, um Zustand und Struktur systematisch bewerten zu können.
Das Instrument steht im Kontext der zunehmenden Technisierung der Haarbehandlung in den 1920er- und 1930er-Jahren und zeigt die Hinwendung zu einer wissenschaftlich orientierten Betrachtung von Haar als analysierbares Material.
Chaness – Methode der kalten Reibung
🇺🇸 US 2,224,880 A – 1940
Das Chaness-Verfahren beschreibt eine mechanische Methode zur Stimulation der Kopfhaut durch sogenannte „kalte Reibung“. Im Zentrum steht die gezielte manuelle oder apparative Einwirkung auf die Kopfhaut, bei der durch Reibung und Druck eine erhöhte Durchblutung angeregt werden soll.
Im Unterschied zu den zuvor entwickelten Messinstrumenten wie dem Hair-Taxometer oder dem Kerascop handelt es sich hierbei nicht um ein Analysegerät, sondern um eine behandlungsorientierte Anwendung. Ziel war es, die physiologischen Bedingungen der Kopfhaut zu beeinflussen und damit indirekt die Beschaffenheit des Haares zu verbessern.
Das Verfahren steht im Kontext der frühen 20. Jahrhunderts, in dem mechanische Reizmethoden als Teil der Haar- und Schönheitspflege verbreitet waren. Gleichzeitig zeigt das Patent, dass sich die technische Entwicklung im Umfeld von Nessler zunehmend von der reinen Haarumformung hin zu einem umfassenderen Verständnis von Haarbehandlung erweiterte – einschließlich Analyse, Pflege und Stimulation.
Mit dem Chaness-Verfahren wird deutlich, dass die Behandlung der Kopfhaut als eigenständiger Bestandteil der Haarpflege verstanden wurde und Teil eines erweiterten technischen Systems war.
Einordnung der Analyse- und Behandlungssysteme
Die Entwicklungen rund um Hair-Taxometer, Kerascop und Chaness zeigen eine deutliche Erweiterung von Nesslers technischem Ansatz. Während die frühen Patente auf die Formung von Haar ausgerichtet waren, rückten in den 1920er- und 1930er-Jahren zunehmend Analyse, Messbarkeit und Behandlung in den Vordergrund.
Haar wurde dabei nicht mehr nur als formbares Material verstanden, sondern als Objekt, dessen Eigenschaften untersucht, bewertet und gezielt beeinflusst werden konnten. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit der zunehmenden Technisierung und Standardisierung der Haar- und Schönheitspflege.
In ihrer Gesamtheit bilden diese Verfahren und Geräte ein erweitertes System, das über die Dauerwelle hinausgeht und den Übergang zu einer wissenschaftlich orientierten Kosmetikindustrie markiert.
Bedeutung der Patente
Die Patente von Karl Ludwig Nessler markieren den Übergang vom handwerklichen Frisieren zur technisch gestützten Kosmetikindustrie. Sie dokumentieren nicht nur die Entwicklung der Dauerwelle, sondern auch eine zunehmende Erweiterung der Haarbehandlung hin zu Analyse, Messbarkeit und systematischer Anwendung.
Sie zeigen:
-
die Industrialisierung der Haarbehandlung
-
die Systematisierung von Dauerwellenverfahren
-
die Verbindung von Mechanik, Elektrizität und Chemie
-
den Aufbau einer internationalen Patentstrategie
Erst durch diese Schutzrechte konnte die Dauerwelle reproduzierbar, lizenzierbar und wirtschaftlich skalierbar werden.
Historische Einordnung
Ab 1909 entwickelte sich die Dauerwelle von einer experimentellen Technik zu einem weltweit eingesetzten Verfahren. In den 1920er-Jahren wurden Nesslers Maschinen in Salons in London, Paris, New York und weiteren Metropolen verwendet.
Die industrielle Struktur, aus der später unter anderem die Nestlé-LeMur Company hervorging, basierte auf diesen patentierten Technologien. Gleichzeitig zeigen spätere Entwicklungen im Bereich der Haaranalyse und Behandlung, dass sich die technische Arbeit zunehmend zu einem umfassenderen System der Haarpflege erweiterte.
Die Patente bilden dabei nur einen Teil der Gesamtentwicklung. Parallel arbeiteten weitere Akteure an ähnlichen Verfahren und trugen zur Verbreitung und Weiterentwicklung der Dauerwelle bei.
→ Einordnung im Netzwerk der Dauerwelle
FAQ – Patente von Karl Ludwig Nessler
Wann wurde das erste Dauerwellen-Patent angemeldet?
Das erste relevante Patent zur elektrischen Haarumformung wurde 1909 in der Schweiz angemeldet.
Wann begann Nesslers Patenttätigkeit?
Bereits 1902 meldete er in Großbritannien ein Patent zur Herstellung künstlicher Wimpern und Augenbrauen an – das früheste bekannte Schutzrecht seiner Tätigkeit als Erfinder.
Wie viele Patente hatte Karl Ludwig Nessler?
Er meldete über 30 Patente in verschiedenen Ländern an, darunter in der Schweiz, Deutschland, Großbritannien und den USA.
Was regelten diese Patente?
Unter anderem:
– elektrische Haarwellenmaschinen
– beheizbare Wickelsysteme
– Methoden der permanenten Haarumformung
– künstliche Wimpern
– Geräte zur Haaranalyse
Warum waren diese Patente wichtig?
Sie machten die Dauerwelle technisch kontrollierbar und wirtschaftlich nutzbar. Erst dadurch war eine internationale Verbreitung möglich.
Wo kann man die Originalpatente einsehen?
Über nationale Patentarchive und Datenbanken, etwa beim
– Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA)
– United States Patent and Trademark Office (USPTO)
– britischen Patentarchiv




