Nessler Dauerwelle
Intercoiffure – internationale Netzwerke im Friseurhandwerk
Die Geschichte der modernen Friseurkunst ist nicht nur eine Geschichte neuer Frisuren, Geräte und Techniken. Ebenso wichtig waren die Menschen und die beruflichen Netzwerke, über die Wissen, neue Verfahren und modische Entwicklungen international weitergegeben wurden.
Ein bedeutender Schritt hin zu einer organisierten internationalen Zusammenarbeit erfolgte 1925 mit der Gründung der Internationalen Gesellschaft der Damen-Coiffeure (IGDC) in Hamburg. Die 1925 gegründete IGDC steht am Beginn der hundertjährigen Geschichte der heutigen Intercoiffure.
Die Gründung in Hamburg 1925
Am 15. April 1925 kamen in Hamburg Friseure aus verschiedenen Ländern zu einer Gründungsversammlung zusammen.
Die internationale Zusammensetzung dieser frühen Zusammenkunft ist bemerkenswert. Vertreten waren Fachleute unter anderem aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Österreich, Belgien, Dänemark und Schweden, aber auch aus den Vereinigten Staaten und Argentinien.
Bereits die Gründungsphase zeigt damit, wie international das professionelle Friseurhandwerk in den 1920er-Jahren vernetzt war.
Die neue Organisation sollte den fachlichen Austausch über nationale Grenzen hinweg fördern. Berufliche Kompetenz, handwerkliche Qualität und die Weitergabe von Wissen standen dabei im Mittelpunkt.
Paris 1927 – ein internationales Treffen
Nur zwei Jahre nach der Gründung fand 1927 in Paris eine erste große internationale Zusammenkunft statt.
Nach der vorliegenden Jubiläumsdarstellung nahmen daran 239 Delegierte aus 17 Regionen teil.
Zum Ehrenpräsidenten wurde Marcel Grateau ernannt, einer der bedeutenden Pioniere der modernen Haarwellung. Grateau hatte bereits im 19. Jahrhundert mit seiner Marcel-Welle die Entwicklung der Friseurtechnik nachhaltig beeinflusst.
Seine Ernennung zum Ehrenpräsidenten zeigt zugleich, welchen Stellenwert technische Innovation und ihre Pioniere innerhalb der internationalen Friseurwelt besaßen.
Von persönlichen Kontakten zu internationalen Organisationen
Die Gründung der IGDC steht jedoch nicht am Anfang der internationalen Vernetzung des Friseurhandwerks.
Bereits lange zuvor reisten Friseure zwischen Städten und Ländern, besuchten Berufskollegen, beobachteten neue Arbeitsmethoden und brachten dieses Wissen in ihre Heimat zurück. Fachzeitschriften berichteten über Erfindungen, Demonstrationen, Wettbewerbe und neue Moden.
Gerade die Geschichte der Dauerwelle von Karl Ludwig Nessler (Charles Nestlé) macht diesen Wissenstransfer besonders deutlich.
Nach Nesslers öffentlichen Vorführungen seiner permanenten Haarwellung in London verbreitete sich das Wissen über das neue Verfahren nicht allein durch die Erfindung selbst. Persönliche Kontakte, Besuche von Berufskollegen, praktische Schulungen, Fachzeitschriften und internationale Berufsbeziehungen spielten eine wesentliche Rolle.
Was um 1900 und in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg vielfach über persönliche Kontakte und einzelne berufliche Netzwerke geschah, erhielt in den 1920er-Jahren zunehmend eine institutionelle Form.
Die Gründung der IGDC im Jahr 1925 kann deshalb als Teil einer längerfristigen Entwicklung verstanden werden: Aus internationalen Kontakten zwischen einzelnen Friseuren entstanden zunehmend dauerhafte internationale Berufsorganisationen.
Ein weltweites Friseurhandwerk
Die internationale Zusammensetzung der Gründungsversammlung macht noch etwas deutlich: Die professionelle Friseurwelt der Zwischenkriegszeit war längst nicht mehr ausschließlich europäisch geprägt.
Die Beteiligung von Vertretern aus den USA und Argentinien zeigt, dass berufliche Netzwerke bereits über den Atlantik reichten.
Kongresse und internationale Treffen ermöglichten es, neue Techniken, modische Entwicklungen und berufliche Erfahrungen über Ländergrenzen hinweg auszutauschen. Gleichzeitig entstanden persönliche Beziehungen zwischen Friseuren, Unternehmen und Organisationen, die für die weitere Entwicklung des Berufs von Bedeutung waren.
Für die historische Erforschung der Dauerwelle sind diese Netzwerke besonders interessant. Sie helfen zu verstehen, wie aus einer technischen Innovation ein international verbreitetes Verfahren werden konnte.
Hinweis zum Forschungsstand
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Die Geschichte der IGDC und der späteren Intercoiffure wird im Rahmen des International Hairdressing History Project weiter untersucht.
Die hier dargestellten Informationen geben den derzeitigen Stand der Recherche wieder. Weitere historische Quellen, zeitgenössische Fachzeitschriften, Kongressberichte, Fotografien und Dokumente werden schrittweise ausgewertet und ergänzt.
Stand: August 2026