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Marjorie Stewart Joyner – Weiterentwicklung der Dauerwellmaschine (1928)

  • Autorenbild: Nessler-Dauerwelle
    Nessler-Dauerwelle
  • 10. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. März


Die Geschichte der Dauerwelle ist eng mit mehreren technischen Innovationen verbunden, die das Friseurhandwerk im frühen 20. Jahrhundert grundlegend veränderten. Während Karl Ludwig Nessler um 1905 die erste funktionierende Dauerwelltechnik entwickelte, wurde das Verfahren erst durch spätere Verbesserungen praktikabel für den täglichen Salonbetrieb.

Eine der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Weiterentwicklung war Marjorie Stewart Joyner, die 1928 eine neuartige Dauerwellmaschine patentieren ließ.

Geburt und Herkunft

Marjorie Stewart Joyner wurde am 24. Oktober 1896 in Monterey, Virginia (USA) geboren. Ihre Familie zog später nach Chicago – eine Stadt, die sich im frühen 20. Jahrhundert zu einem Zentrum der amerikanischen Kosmetikindustrie entwickelte.

Ausbildung und frühe Karriere

Joyner erhielt ihre Ausbildung an der A. B. Moler Beauty School in Chicago. Sie gehörte zu den ersten afroamerikanischen Frauen mit professioneller Ausbildung im Bereich Kosmetik und Haarpflege.

In dieser Zeit lernte sie Madam C. J. Walker kennen. Joyner arbeitete für die Walker Company und stieg zur nationalen Supervisorin auf. In dieser Rolle war sie für die Ausbildung tausender Kosmetikerinnen verantwortlich.


Patent-Antrag von Marjorie Stewart Joyner für eine Dauerwellmaschine, 1928.USPTO / National Archives (USA), Patent 1,693,515, 1928
Patent-Antrag von Marjorie Stewart Joyner für eine Dauerwellmaschine, 1928.USPTO / National Archives (USA), Patent 1,693,515, 1928

Die Erfindung der Dauerwellmaschine (1928)

Die zentrale technische Leistung von Joyner war die Entwicklung einer Dauerwellmaschine, die 1928 patentiert wurde.

Der Legende nach entstand die Idee beim Kochen: Sie beobachtete mehrere gleichzeitig erhitzte Spieße und übertrug dieses Prinzip auf die Haarbehandlung.

Die Patentunterlagen zeigen deutlich das Grundprinzip ihrer Konstruktion:

  • mehrere Heizstränge

  • gleichzeitige Behandlung mehrerer Haarpartien

  • systematische Anordnung rund um den Kopf

Technisches Funktionsprinzip

Im Unterschied zu Nesslers ursprünglichem System, bei dem einzelne Strähnen nacheinander behandelt wurden, beruhte Joyners Maschine auf dem Prinzip der parallelen Wärmeverteilung.

Mehrere Heizquellen wirkten gleichzeitig auf unterschiedliche Haarpartien ein. Die Haarsträhnen wurden gewickelt, fixiert und parallel erhitzt.

Genau dieses Prinzip ist in den Patentzeichnungen klar erkennbar:

  • obere Konstruktion → Mehrfachaufhängung der Heizstränge

  • Detailzeichnungen → Wicklung und Fixierung der Haare

Damit wurde der Prozess erstmals skalierbar.

Technische Zeichnung der Dauerwellmaschine von Marjorie Stewart Joyner mit parallelen Heizsträngen, 1928.USPTO / National Archives (USA), Patent 1,693,515
Technische Zeichnung der Dauerwellmaschine von Marjorie Stewart Joyner mit parallelen Heizsträngen, 1928.USPTO / National Archives (USA), Patent 1,693,515


Vorteile der Konstruktion

  • deutlich schnellere Behandlung

  • gleichmäßigere Ergebnisse

  • effizienterer Salonbetrieb

Während frühere Verfahren oft viele Stunden benötigten, konnte die Behandlungszeit durch Joyners System erheblich reduziert werden.

Technische Bedeutung

Joyners Maschine stellte keine neue Grundform der Dauerwelle dar, sondern eine entscheidende Weiterentwicklung.

  • Nessler → funktionierende Methode

  • Joyner → parallele Anwendung und Skalierung

Während Nesslers System noch stark mechanisch und sequentiell arbeitete, leitete Joyners Maschine den Übergang zu standardisierten und industriell nutzbaren Behandlungsprozessen ein.

Ihr Patent gehört damit zu den wichtigsten technischen Optimierungen der Dauerwellmaschine im frühen 20. Jahrhundert.

Detailzeichnungen zur Anwendung der Dauerwelltechnik im Patent von Marjorie Stewart Joyner, 1928.USPTO / National Archives (USA), Patent 1,693,515
Detailzeichnungen zur Anwendung der Dauerwelltechnik im Patent von Marjorie Stewart Joyner, 1928.USPTO / National Archives (USA), Patent 1,693,515


Rolle in der Kosmetikindustrie

Neben ihrer technischen Arbeit spielte Joyner eine zentrale Rolle in der amerikanischen Kosmetikbranche. Durch ihre Tätigkeit bei der Walker Company trug sie zur Ausbildung und Professionalisierung tausender Fachkräfte bei.

Einordnung in die Entwicklung der Dauerwelle

Die Entwicklung lässt sich klar in Stufen einteilen:

  • Marcel Grateau → thermische Wellen (1870er)

  • Karl Ludwig Nessler → erste Dauerwelle (~1905)

  • Marjorie Stewart Joyner → parallele Anwendung (1928)

  • Arnold F. Willatt → chemische Dauerwelle (1938)

Späte Jahre und Tod

Marjorie Joyner blieb über Jahrzehnte aktiv in der Kosmetikbranche tätig. Sie arbeitete als Ausbilderin, Beraterin und engagierte sich für bessere berufliche Möglichkeiten von Frauen.

Sie starb am 7. Dezember 1994 im Alter von 98 Jahren in Chicago.

Historische Bedeutung

Marjorie Joyner gehört zu den zentralen Figuren der Weiterentwicklung der Dauerwelltechnik.

Ihre Innovation machte die Dauerwelle:

  • schneller

  • wirtschaftlicher

  • salonfähig im großen Maßstab

Damit bildet ihre Arbeit eine direkte Brücke zwischen der Erfindung durch Nessler und der späteren Industrialisierung der Haarbehandlung.

Die Entwicklung von Marjorie Joyner markiert einen entscheidenden Schritt in der technischen Optimierung der Dauerwellmaschine.

Während Karl Ludwig Nessler die Grundlage schuf, machte Joyner die Dauerwelle erstmals effizient im Salonbetrieb nutzbar.

Ihre Arbeit verbindet technische Innovation mit Ausbildung und unternehmerischem Einfluss – und nimmt damit eine zentrale Stellung in der Geschichte der modernen Haartechnik ein.

Quellen und Hinweise

  • US Patent 1,693,515 (1928) – Permanent Waving Machine, Marjorie Joyner

  • Patentzeichnungen und Antragsunterlagen (Washington D.C.)

  • Zeitgenössische Berichte zur Walker Company

  • Forschung zur Entwicklung der Dauerwelltechnik im 20. Jahrhundert

 
 
 

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