Archiv-Recherche zum Coiffeurgewerbe in der Schweiz um 1900
- Nessler-Dauerwelle

- 19. März
- 4 Min. Lesezeit
Im Rahmen der historischen Forschung zur Entwicklung des Coiffeurgewerbes und der frühen Dauerwellentechnik stellt sich immer wieder die Frage, welche Berufsorganisationen, Netzwerke und führenden Coiffeure in der Schweiz um 1900 eine Rolle spielten. Gerade in der Übergangszeit zwischen traditionellem Handwerk, internationalen Fachtreffen und den ersten technischen Innovationen ist die Quellenlage jedoch oft lückenhaft.
Diese Archivseite dokumentiert den aktuellen Stand der Recherche zu frühen Coiffeur-Organisationen in der Schweiz sowie zu einzelnen Schweizer Coiffeuren, die im Zusammenhang mit einem internationalen Fachtreffen um 1909 genannt werden.
Ausgangspunkt der Recherche
Im Zentrum der Untersuchung standen zwei miteinander verbundene Fragen. Zum einen sollte geklärt werden, was unter der in einer historischen Anzeige erwähnten „Gesellschaft der Damen-Coiffeure“ genau zu verstehen ist und ob es sich dabei um einen frühen regionalen oder nationalen Zusammenschluss des Berufsstandes handelte.
Zum anderen ging es um die berufliche Stellung einzelner Schweizer Coiffeure, die um 1909 im Zusammenhang mit einem internationalen Fachtreffen genannt werden.
Besonders relevant waren dabei folgende Namen:
Ed. Vildolotz, Bern
Seezemann, Bern
E. Dischler, Montreux
Rutishauser, Winterthur
Die zentrale Frage war dabei nicht nur, ob diese Personen Mitglieder einer Organisation waren, sondern ob sie im damaligen Berufsstand als anerkannte Meister galten, Funktionen in Verbänden oder Innungen innehatten oder in zeitgenössischen Fachpublikationen, Mitgliederverzeichnissen oder Wettbewerben erwähnt wurden.
Anfragen an den heutigen Berufsverband
Um diesen Fragen nachzugehen, wurden im Februar 2026 Anfragen an Coiffure Suisse gerichtet. Ziel war es, Hinweise auf historische Mitgliederverzeichnisse, Protokollbücher, Archivmaterial oder weiterführende Literatur zur frühen Organisation des Coiffeurgewerbes in der Schweiz zu erhalten.
Die Kontaktaufnahme bezog sich sowohl auf Fragen zur „Gesellschaft der Damen-Coiffeure“ als auch auf die oben genannten Namen aus dem Umfeld eines Fachtreffens um 1909.
Der bisherige Befund
Eine direkte inhaltliche Klärung durch den heutigen Verband konnte bislang nicht erreicht werden. Nach telefonischer Rücksprache entstand der Eindruck, dass dort keine unmittelbar zugänglichen historischen Unterlagen zu diesem frühen Zeitraum vorhanden sind oder dass entsprechende Bestände heute nicht mehr in der laufenden Verbandsstruktur greifbar sind.
Aus archivischer Sicht ist ein solcher Befund nicht ungewöhnlich. Viele Berufsorganisationen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts waren lokal organisiert, nur begrenzt institutionalisiert oder in ihrer Überlieferung nicht dauerhaft gesichert. Unterlagen wie Mitgliederlisten, Protokolle, Korrespondenzen oder Veranstaltungsverzeichnisse wurden häufig nicht zentral bewahrt oder später an andere Archive abgegeben. In manchen Fällen gingen sie auch vollständig verloren.
Gerade bei handwerklichen Berufsverbänden ist daher oft zu beobachten, dass historische Spuren nur noch indirekt greifbar sind – etwa über Zeitungsanzeigen, Fachzeitschriften, Adressbücher, lokale Archive oder Berichte über Kongresse und Wettbewerbe.
Bedeutung der Recherche
Auch wenn sich bislang kein geschlossener Archivbestand nachweisen ließ, ist die Recherche keineswegs erfolglos. Sie zeigt exemplarisch, wie fragmentarisch die Geschichte des Coiffeurgewerbes in dieser Phase überliefert ist.
Die Untersuchung macht deutlich, dass frühe Strukturen des Berufsstandes nicht einfach mit heutigen Verbänden gleichgesetzt werden können. Zwischen lokalen Vereinigungen, beruflichen Netzwerken, Fachtreffen und späteren Organisationsformen bestand häufig keine direkte institutionelle Kontinuität.
Die Geschichte des Coiffeurgewerbes um 1900 lässt sich daher nur aus verstreuten Einzelquellen rekonstruieren.
Offene Fragen zu einzelnen Coiffeuren
Weiterhin offen bleibt die genaue Einordnung der in einer zeitgenössischen Quelle genannten Schweizer Coiffeure. Zwar sind ihre Namen und Orte überliefert, doch ihre Stellung innerhalb des damaligen Berufsstandes ist bislang nicht abschließend geklärt.
Ed. Vildolotz (Bern) – mögliche Bedeutung im regionalen Umfeld, bislang ohne gesicherten Nachweis einer Verbandsfunktion
Seezemann (Bern) – bislang keine klare Einordnung innerhalb des Berufsstandes
E. Dischler (Montreux) – derzeit keine weiterführenden archivalischen Hinweise
Rutishauser (Winterthur) – mögliche lokale Relevanz, jedoch ohne klar belegte institutionelle Rolle
Gerade solche Namen sind für die Geschichte des Gewerbes besonders interessant, da sie auf ein Netzwerk von Fachleuten hinweisen, das über einzelne Städte hinausging.
Einordnung im größeren Zusammenhang
Die Recherche zu frühen Schweizer Coiffeur-Organisationen steht im Zusammenhang mit einer umfassenderen Untersuchung zur Geschichte der Dauerwelle und der internationalen Entwicklung des Friseurhandwerks um 1900.
In dieser Zeit entstanden neue technische Verfahren, internationale Kontakte und erste Formen fachlicher Organisation. Hinweise auf Treffen, Wettbewerbe und einzelne Fachvertreter sind daher Teil eines größeren historischen Netzwerks.
Auch dort, wo die Quellenlage unvollständig bleibt, lassen sich so die Strukturen und Bewegungen des Berufsstandes sichtbar machen.
Der aktuelle Stand der Archiv-Recherche zeigt, dass sich frühe Berufsorganisationen des Schweizer Coiffeurgewerbes um 1900 bislang nur teilweise fassen lassen.
Weder zur „Gesellschaft der Damen-Coiffeure“ noch zu den genannten Schweizer Coiffeuren konnte bisher ein geschlossener institutioneller Nachweis erbracht werden.
Gerade dieser Befund ist jedoch historisch aufschlussreich. Er verweist auf eine Überlieferung, die weniger von zentralen Verbandsarchiven als von verstreuten Quellen geprägt ist.
Weitere Funde – insbesondere in Fachzeitschriften, regionalen Archiven oder zeitgenössischen Publikationen – könnten das Bild künftig noch präzisieren.
Häufige Fragen zur Recherche
Was war die „Gesellschaft der Damen-Coiffeure“?
Bislang lässt sich nicht abschließend klären, welche genaue organisatorische Form diese Gesellschaft hatte. Sie erscheint in historischen Hinweisen, konnte aber derzeit noch nicht eindeutig als direkter Vorläufer eines heutigen Verbandes belegt werden.
Gibt es Mitgliederverzeichnisse aus dieser Zeit?
Bislang konnten keine direkt zugänglichen zentralen Verzeichnisse nachgewiesen werden. Hinweise könnten sich jedoch in regionalen Archiven oder Fachpublikationen finden.
Warum ist die Quellenlage so lückenhaft?
Viele Berufsorganisationen dieser Zeit waren lokal organisiert und archivisch nicht dauerhaft gesichert. Informationen sind daher oft nur fragmentarisch überliefert.
Warum ist die Recherche trotzdem wichtig? Weil sie zeigt, wie sich das Coiffeurgewerbe in einer entscheidenden Phase entwickelte und wie historische Netzwerke tatsächlich funktionierten – auch ohne vollständige Dokumentation.
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